Montag, 9. Juni 2014
Viel Ärger, Wut. Sie alle fragen nach, sprechen über Schule bla bla bla und die wissen nicht, dass es das sechste mal war. Alles würde klappen, nun Agnes kam als sie schon 40 Tabletten geschluckt hat und wieder 40 hatte in der Hand. Ihre Freundin brachte sie im Krankenhaus und erzählte alles den Eltern. Anna weiß jetzt, sie konnte nicht anderes tun. Aber das alles war zu viel. Für die Eltern war nur der Bruder wichtig. Gedanken kamen immer wieder. Sie fühlte sich wie NICHTS



Freitag, 14. März 2014
...
Die Fragen. Ärzte, Psychologe, Eltern. Alle fragten warum. Sie wusste, sie kann es nicht sagen. Wenn die Eltern das erfahren, dann wird schlecht.
Mama hat versprochen, dass sie zu Hause zusammen darüber sprechen werden, weil sie nicht glaubt, dass es wegen Mathe war. Zu Hause kein Wort mehr dazu. Nichts. Sie musste zur Psychologe, aber das Gespräch war mit Eltrn zusammen durchgeführt. Sie konnte nicht. Sie wusste, wenn sie es wissen, dann wurde sie die schlechte, nicht er, der es gemacht hat. Er war immer Muster für ihre Eltern.



Dienstag, 4. März 2014
Der Tag
Probleme in der Schule, mit den Freunden, mit sich selbst, mit Eltern. Sie fühlte sich wie ein schwarzes Schaf. Immer Vorwürfe, wie du dich benimmst, warum kommst du so spät nach Hause, warum hast du solche Noten und so weiter, never ending story…
Letzte Klasse der Grundschule und Mathe. Sie war gut in vielen Fächern, auch in Mathe war sie nicht schlecht, aber irgendwie alles passte nicht zusammen. Zu viel auf einmal. Ja. Es war am 12 Juni. Die Sonne schien, wie damals auf der Wiese. Der Tag war schön und schlecht zugleich. Die Mathe, sie bekam, die Endnote: nur 3. Das war zu wenig für ihre Eltern. Die Mama hat gesagt, wenn du nicht gut bist, dann komm lieber nicht mehr nach Hause. Wo sollte sie hin? Auf die Strasse?... wo denn?... Also kam sie doch und was sie hörte, „warum bist du nach Hause gekommen“?
Ein paar Stunden später wachte sie im Krankenhaus auf. Sie lebte, aber sie wollte nicht mehr…



Freitag, 28. Februar 2014
Zweites Bild
Er kam wieder und wieder. Zwei Jahre lang hat er sie belästigt.
Sie war schmutzig. Der ganze Körper war dreckig, sie konnte ihre Hände nicht wieder sauber machen. Alles war zerstört. Sie war alleine auf der Welt. Sie konnte nicht lachen, nicht weinen, nichts fühlen. Ihr Herz war leer, kalt und bitter. Jeden morgen zog sie eine Maske an. Nur die Nächte… Die waren zu schwer. Alles kam wieder und wieder. Es war schon ein paar Jahre her, aber sie sah es in allen Details, als ob er jeder Nacht wieder käme. Grausam. Sie biss ihre Finger, bis das Blut floss.
Nun niemand merkte es. Eltern waren daneben, aber nie dabei. Ihr Bruder war der wichtigste. Sie machte nur Probleme, war geschlossen. Man sah Trauer in ihren Augen. Das dauerte ein paar Jahren. Tag: Maske an, Nacht Maske aus. Sie hat sich dran gewöhnt. Alles sah so aus, als ob sie keine Probleme hätte. Sie wollte sogar dran glauben. Alles war eigentlich in Ordnung, sie lernte gut, war höflich, freundlich, hilfsbereit. Fast wie ein Muster für andere Kinder.



Donnerstag, 27. Februar 2014
Erstes Bild. Meine Geschichte.
Sie saß am Fenster. Anna, eine 17-jährige Tochter eines Arztes. Den kalten Kaffee trinkend, sah sie so aus, als ob sie auf die Strasse guckte. Tat sie aber nicht. Eigentlich wollte sie nie mehr irgendwohin gucken. Alles war zu traurig, zu traurig waren auch ihre Augen – die wollte sie aber nicht mehr zeigen. Die sagten zu viel über sie selbst.
Die Sonne schien. Keine Wolke war auf dem Himmel zu sehen. Sie war 7. Sommerferien. Sie trabte durch Getreide. Sie fing an zu laufen. Oma wartete mit dem Mittagessen. Alle waren bestimmt schon da. Gerd, Lilli, Agatha, Max, Steffi und Marie. Marie war auch 7. Sie spielten immer zusammen. Sie freute sich, alle wieder zu sehen, deswegen lief sie so schnell wie sie nur konnte.
Dann kam er. Der älteste von all den Cousins, Frank. Er fing sie gar nicht zart. Sie wollte raus aber er hielt sie fest. Mit einem Zug machte er ihre Klamotten weg. Und… ja, er machte DAS.
Die Sonne schien immer wieder. Sie freute sich aber nicht mehr, trotzdem musste sie lachen, sich über das Treffen freuen. Ihr war kalt. Konnte keine Sonnewärme fühlen. Der Hauch der Kälte umarmte sie für die Ewigkeit. Kalt waren ihre Hände, Füße, das ganze Haut, und das Herz war auch kalt. Kein Sonnenschein mehr konnte durch. Nur in den Augen war der Angst zu sehen.
Sie saß am Fenster. Wie alt war sie? Eigentlich immer noch 7. Sie wollte nicht weiter. Da drin im Herzen lebte ein 7-jähriges Mädchen, das Angst hatte, alles jeden Tag neu zu erleben.